WNA-Roadmap soll privates Kapital für neue Kernkraftwerke mobilisieren

Die World Nuclear Association (WNA) hat mit der «Roadmap to Mainstream Finance» das erste Modul ihres neuen World Nuclear Investment Guide veröffentlicht. Darin zeigt sie Finanzinstituten, Investoren und politischen Entscheidungsträgern auf, wie sich privates Kapital stärker für Kernenergieprojekte mobilisieren lässt. Hintergrund ist das internationale Ziel, die weltweite Kernenergiekapazität bis 2050 zu verdreifachen.

31. Juli 2026
Bild aus dem Bericht
Mit ihrer Roadmap will die World Nuclear Association aufzeigen, wie sich privates Kapital stärker für Kernenergieprojekte mobilisieren lässt.
Quelle: Screenshot aus der «Roadmap to Mainstream Finance»/World Nuclear Association

«Das Kapital ist vorhanden. Unsere Herausforderung besteht darin, die Voraussetzungen zu schaffen, damit in Kernenergie investiert werden kann», sagt WNA-Generaldirektorin Sama Bilbao y León. Mit der Roadmap to Mainstream Finance: The Path to Scale Nuclear Energy wolle die WNA den Dialog zwischen Nuklearbranche und Finanzwelt stärken, verschiedene Finanzierungsansätze darstellen und den Weg zu einer stärkeren Beteiligung privaten Kapitals an Kernenergieprojekten aufzeigen.

Nach Berechnungen der WNA sind bis 2050 Investitionen von insgesamt rund USD 6 Billionen erforderlich. Die jährlichen Investitionen müssten von heute rund USD 75 Mrd. auf bis zu USD 250 Mrd. steigen. Die Organisation sieht die grösste Herausforderung dabei weniger in der Verfügbarkeit von Kapital als vielmehr in geeigneten Finanzierungsstrukturen. Ziel des neuen Leitfadens ist es deshalb, Risiken transparenter zu machen und Investitionen in Kernenergie für private Kapitalgeber berechenbarer zu gestalten.

Die Roadmap beschreibt verschiedene Ansätze zur Finanzierung neuer Kernkraftwerke, darunter Modelle mit regulierter Vermögensbasis (Regulated-Asset-Base-Modelle, RAB), langfristige Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements), staatliche Garantien sowie Mischfinanzierungen aus öffentlichem und privatem Kapital. Sie zeigt damit auf, wie sich Investitionsrisiken reduzieren und Projekte für private Investoren attraktiver gestalten lassen.

Nach Angaben der WNA verfolgen inzwischen rund 50 Staaten konkrete Pläne zum Ausbau oder Neueinstieg in die Kernenergie. Mit der steigenden Zahl geplanter Projekte wachse auch der Bedarf an standardisierten und international anerkannten Finanzierungsmodellen. Die Organisation verweist darauf, dass privates Kapital grundsätzlich vorhanden sei, heute jedoch häufig in andere Bereiche des Energiesektors fliesse. Ziel sei es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit künftig ein grösserer Teil dieser Investitionen auch in Kernenergieprojekte gelenkt werden könne.

Die WNA geht davon aus, dass künftig sowohl grosse Kernkraftwerke als auch kleine, modulare Reaktoren (SMRs) benötigt werden. Beide Technologien sollen je nach Einsatzgebiet unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Für den Zeitraum 2041 bis 2045 rechnet die Organisation mit Investitionen von rund USD 1 Billion in grosse Reaktoren, USD 450 Mrd. in SMR sowie USD 84 Mrd. in die Laufzeitverlängerung bestehender Kernkraftwerke.

Der vollständige World Nuclear Investment Guide wird am 9. September 2026 im Rahmen des Finance Summit des World Nuclear Symposium in London offiziell vorgestellt.

Quelle

S.D. nach WNN, News vom 29. Juli 2026

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